DMP haben für Diabetiker positive Effekte

21.08.2008

Berlin – Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, die an einem Disease Management Programm (DMP) teilnehmen, leben länger. Bei ihnen treten weniger Todesfälle auf als bei Patienten, die nicht in ein DMP eingeschrieben sind. Das sagt jedenfalls eine Studie – durchgeführt vom Universitätsklinikum Heidelberg in Kooperation mit dem AOK-Bundesverband.

Die so genannte ELSID-Studie (Evaluation of a Large Scale Implementation of Disease Management Programmes) sollte klären, ob Patienten in strukturierten Behandlungsprogrammen für chronisch Kranke besser versorgt werden als Patienten in der Regelversorgung.

Diabetiker im DMP leben länger

Nach den ersten Endergebnissen der bundesweit ersten kontrollierten Studie lag die Sterblichkeitsrate bei den Diabetikern im DMP mit 10,9 Prozent deutlich niedriger als bei den Patienten in der Regelversorgung mit 18,8 Prozent. Allerdings waren die Patienten in der Kontrollgruppe im Schnitt 1,3 Jahre älter als die DMP-Teilnehmer. Ein zweites Manko: Es fehlten Daten zur unterschiedlichen Schwere der Erkrankungen. Um mögliche Verzerrungen zu minimieren, verglichen die Heidelberger Wissenschaftler zusätzlich eine Teilgruppe von DMP-Patienten und Patienten in der Regelversorgung mit gleichem Alter und gleichem Geschlecht, die ähnlich schwer erkrankt waren und unter den gleichen Begleiterkrankungen litten. Auch hier zeigte sich bei der Sterblichkeitsrate ein Unterschied: Während unter den DMP-Teilnehmern 9,5 Prozent der Patienten verstarben, waren es in der Kontrollgruppe der Nicht-Teilnehmer 12,3 Prozent. „Wir führen dieses Ergebnis auf ein Gesamtpaket von Maßnahmen zurück, die im DMP für Typ-2-Diabetiker vorgesehen sind“, sagt Prof. Dr. med. Joachim Szecsenyi, Universitätsklinikum Heidelberg, bei der Vorstellung der Studie. Beispielhaft nennt er das Setzen von Prioritäten in der Behandlung, das schnellere Erkennen von Problemen sowie eine bessere Kooperation zwischen den Versorgungsebenen.

DMP-Teilnehmer fühlen sich besser versorgt

Positive Trends zugunsten der DMP-Teilnehmer, so Szecsenyi, hätten sich schon bei einer Patientenbefragung im Rahmen der Studie gezeigt. „Die DMP-Teilnehmer sind mit dem Ablauf und der Organisation ihrer Behandlung deutlich zufriedener als Patienten in der Regelversorgung“, konstatiert der Ärztliche Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung. Außerdem gaben DMP-Teilnehmer häufiger an, von ihrem Arzt nach ihren Vorstellungen bei der Gestaltung des Behandlungsplans gefragt zu werden. 

Zur Studie

Ausgewertet wurden die Daten von 2.300 älteren DMP-Teilnehmern, die in 85 Hausarztpraxen in Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz behandelt wurden. Die Kontrollgruppe der Nicht-Teilnehmer umfasste 8.779 Diabetiker aus 337 Praxen. Es handelte sind dabei um medikamentös behandelte Patienten mit einem Durchschnittsalter von über 70 Jahren, in der Mehrzahl Frauen. Die Daten der Patienten waren über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren beobachtet worden. Weitere Ergebnisse, z.B. zu Behandlungskosten, sollen in den nächsten Monaten veröffentlicht werden.

Die DMP wurden in Deutschland 2003 eingeführt. Insgesamt nehmen derzeit knapp 2,3 Millionen Versicherte an den Behandlungsprogrammen der AOK teil, davon knapp 1,4 Millionen am DMP für Diabetiker.

Weitere Informationen unter
www.aok-bundesverband.de/presse/veranstaltungen/index_15108.html

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