Telefonberatung soll pflegende Angehörige unterstützen
22.09.2008
Berlin – Ein Forschungsprojekt der Technischen Universität (TU) Berlin untersucht die Wirksamkeit telefonischer Beratung für pflegende Angehörige von Demenzkranken. Das Bundesgesundheitsministerium fördert das Vorhaben im Rahmen des „Leuchtturmprojektes Demenz“.
Wissenschaftler der TU Berlin erforschen seit Sommer dieses Jahres, in welchem Maße pflegenden Angehörigen durch gezielte telefonische Beratung die Belastung im Umgang mit demenzkranken Verwandten reduziert werden kann. „Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass insbesondere pflegende Angehörige von Demenzkranken ein erhöhtes Risiko haben, gesundheitliche Beeinträchtigungen zu entwickeln“, sagt Prof. Gabriele Wilz. Zu 70 Prozent seien Frauen die Pflegenden, bei ihnen würden häufig Ängste und depressive Störungen diagnostiziert.
TU setzt auf niedrig schwelliges Angebot
Die Psychologin Wilz leitet mit ihrer Kollegin Prof. Renate Soellner das bis 2010 laufende Programm. Während des Projektes soll eine ökonomische, unter Alltagsbedingungen durchführbare innovative psychotherapeutische Intervention für pflegende Angehörige getestet werden. Sie sollen darin unterstützt werden, akute Probleme zu lösen und ihre eigenen Ressourcen zu stärken. „So soll das subjektive Belastungserleben reduziert werden, und wir hoffen, positiv auf depressive Symptome, Körperbeschwerden und die Lebensqualität der Angehörigen einzuwirken“, beschreibt Wilz das Ziel des Projektes. Im Unterschied zu bisherigen Programmen, etwa der Gruppenbetreuung von Angehörigen, erhoffen sich die Psychologinnen auch, mehr betroffenen Angehörigen besser zu helfen. „Bei Gruppentherapien haben viele Angehörige Schwellenangst, ein solches Angebot überhaupt anzunehmen. Außerdem fehlt ihnen häufig die Zeit dazu – schließlich können sie demente Verwandte eigentlich nie allein lassen“, sagt die Professorin.
Intervention beginnt mit persönlicher Problemanalyse
Die Intervention besteht aus insgesamt sieben Terminen. Zunächst werden in einem ersten, etwa zweistündigen persönlichen Gespräch die Probleme der Probandin analysiert und Ziele zu deren Lösung definiert. Außerdem wird aufgezeigt, wie diese Probleme gelöst werden können. Die gesamte Interventionsphase erstreckt sich auf drei Monate. Die Beratungen übernehmen klinische Psychologinnen mit Qualifikation in kognitiver Verhaltenstherapie. Während der Studie arbeitet die Universität mit verschiedenen Beratungsstellen, Kliniken und anderen Institutionen im Raum Berlin und Brandenburg zusammen.
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