Schmerztherapeuten und Patienten mahnen Verbesserungen an
05.11.2008
Berlin – Aus Anlass der Präsentation des „Weißbuches Schmerz“ haben Herausgeber, Wissenschaftler und Betroffene eine nachhaltige Verbesserung der Patientenversorgung in Deutschland gefordert. Noch immer gebe es zu viele Hürden im Gesundheitssystem, die direkt den Patienten schadeten.
Experten machen auf dem Deutschen Schmerzkongress 2008 auf folgende Probleme aufmerksam: Schmerzpatienten stoßen schon bei der Diagnose ihrer Krankheit auf Probleme, denn akuter Schmerz wird von ärztlicher Seite zunächst nur als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung gesehen. Wird die Schwelle zum chronischen Schmerz überschritten, ist es meist schon zu spät, denn dann ist eine Behandlung lang und teuer. Die Patienten durchleiden häufig Odyseen von einem Arzt zum anderen, bis sie schließlich schließlich eine adäquate schmerztherapeutische Behandlung erhalten. Problematisch ist ferner, dass ihnen bei einer nicht eindeutigen Diagnose Simulation oder gar Feigheit unterstellt wird.
Patientenversorgung hinkt Forschungsstand hinterher
Diese Probleme haben strukturelle Ursachen, so die Herausgeber des Weißbuches Schmerz, Dr. Marianne Koch und Prof. Dr. Hans Rüdiger Vogel. Die Patientenversorgung sei in den letzten 25 Jahren nicht parallel zum Forschungsstand verbessert worden. Bis vor kurzem hätten Ärzte Therapien für Schmerzpatienten nicht als solche abrechnen können und auch der Diagnoseschlüssel habe keine eindeutigen Kennzeichnungen für chronische Schmerzen hergegeben. Die Ausbildung der Mediziner kenne zudem bis heute keine verpflichtende schmerztherapeutische Komponente.
„Verbesserungen sind hier unbedingt vonnöten“, fordern die beiden Herausgeber. Ein Facharzt für Schmerztherapie etwa könne die Disziplin stärken und die Ausbildung in den Universitäten verbessern. „Hausärzte als erste Anlaufstelle müssen eine solche Zusatzqualifikation erwerben, um eine adäquate Behandlung möglichst früh zu gewährleisten“, lautet eine weitere Forderung. Die Chronifizierung von Schmerzen zu vermeiden, helfe dem Patienten und spare enorme Kosten für das Gesundheitssystem. Von einer flächendeckenden Versorgung sei man in Deutschland aber noch weit entfernt, so die Experten Koch und Vogel.
Die Medizinerin Marianne Koch ist Präsidentin der Selbsthilfeorganisation Deutschen Schmerzliga, Hans Rüdiger Vogel, ebenfalls Arzt, arbeitete unter anderem als Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie und als Leiter der Gesundheitsabteilung im Sozialministerium Rheinland-Pfalz.
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