Rückenschmerzen - Ärzte sehen kaum effiziente Behandlungen für chronische Schmerzen
22.01.2009
Berlin – Die Bundesärztekammer konstatiert, dass es noch immer keine wirksamen Therapiemöglichkeiten bei chronischen Rückenschmerzen gibt. Diese Diagnose sei aber am häufigsten für Arbeitsunfähigkeit verantwortlich und verursache enorme Kosten.
„Die klassische medizinische Sichtweise stößt bei Rückenbeschwerden an ihre Grenzen“, sagt Prof. Dr. Jan Hildebrandt, Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), auf dem 33. Interdisziplinären Forum „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“ der Bundesärztekammer in Berlin. Die enorm verbesserten bildgebenden Möglichkeiten könnten spezifische Erkrankungen und die Ursache von Ischialgien klar darstellen, zum Verständnis von Rückenschmerzen hätten sie jedoch nur einen sehr begrenzten Beitrag geliefert. Die Fülle an therapeutischen Ansätzen, ob klassisch konservativ, minimal-invasiv oder offen-operativ konnte laut Hildebrandt ebenfalls nicht zu einer entscheidenden Verringerung der Krankheitszeit beitragen.
Dabei ist der chronische Rückenschmerz ein großer Kostenfaktor: Jeder Patient mit hohen Einschränkungen durch den Schmerz koste das Gesundheitssystem 7.116 Euro im Jahr. Mittlerweile betrifft dies knapp 5 Prozent der Bevölkerung. Auch in der Rehabilitationsbehandlung seien Rückenbeschwerden der größte Kostenfaktor, so Hildebrandt.
Die Ärzteschaft sieht aber einen langsamen Paradigmenwechsel in der Behandlung von Rückenschmerzen: Rechtzeitige Diagnose und körperliche Aktivität sollen eine Chronifizierung verhindern. Auch später könne sport- und krankengymnastisches Training helfen. „Allerdings ist dieses therapeutische Vorgehen bei chronifizierten Schmerzen nicht billig zu haben und wird derzeit von den Krankenkassen kaum bezahlt“, kritisiert Hildebrandt.
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