Demographischer Wandel - „Gesellschaft ist auf die Umstellung nicht vorbereitet"
14.05.2009
Berlin – Die DAK hat ihre neue Studie „Alter und Gesellschaft“ vorgestellt. Aus diesem Anlass mahnt der Leiter des Instituts für Gesundheits-System-Forschung (IGSF), Fritz Beske, mehr Anstrengungen an, den Älteren weiterhin den Zugang zum Gesundheitssystem zu ermöglichen.
Dieser ist nach Ansicht von Beske vor allem durch kleine Schrift, undeutliche und zu schnelle Ansprachen in Radio und Fernsehen oder zu kleine Bedienelemente auf Fernbedienungen und Telefonen gefährdet. In der DAK-Studie kritisiert jeder Zweite der Befragten über 65-Jährigen zu kleine Schrift in Zeitschriften oder Büchern, jeder Dritte hat Verständnisprobleme beim Fernsehen. Die DAK befragte mehr als 1.700 ihrer Versicherten im entsprechenden Alter. „Besonders problematisch wird es, wenn Packungsbeilagen von Arzneimitteln nicht lesbar sind. Dann kann dies auch gesundheitliche Folgen haben“, erklärt Beske. Da viele ältere Patienten durch kleine Schrift, aber auch durch Informationsfülle oder Fremdwörter verunsichert werden, würden sie zum Teil den Beipackzettel gar nicht mehr lesen. Rund 13 Prozent der Befragten der DAK-Studie berichten von derartigen Problemen. „Der Beipackzettel dient aber der Sicherheit des Patienten“, warnt Beske.
Ältere Menschen als Zielgruppe erkennen
Da aus haftungsrechtlichen Gründen der Umfang nicht begrenzt werden könne, schlägt Beske eine zusätzliche Orientierung für ältere Patienten vor: „Jede Packungsbeilage sollte mit dem Hinweis beginnen, dass es im Interesse des Patienten liegt, die Packungsbeilage sorgfältig zu lesen und zu beachten“, erklärt Beske. Dann sollten in größerer Schrift und fettgedruckt die wichtigsten Informationen vorangestellt werden. „Zum Beispiel wofür das Arzneimittel angewendet wird, wie es eingenommen werden muss und wann ein Arzt aufgesucht werden muss.“ Diese Probleme seien letztendlich nur ein Beispiel dafür, dass die Gesellschaft auf den demographischen Wandel noch nicht vorbereitet ist, befindet der Wissenschaftler. Er fordert, spezielle Angebote für ältere Menschen zu verstärken und diese Zielgruppe ernst zu nehmen. „Den Bedürfnissen älterer Menschen angemessene Information sowie persönliche Kundenbetreuung wird es sicherlich künftig auch in anderen Bereichen verstärkt geben müssen. Mancher Handyhersteller, Fernsehsender oder Dienstleister wird erkennen, wie wichtig die Zielgruppe ist, die da gerade heranwächst“, fasst Beske zusammen.

